Ulrich Wickert

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Bonsoir, Monsieur Wickert - 01.01.2006, Park Avenue

Aus Rücksicht auf den Hausherrn wird im Speisesaal des Palais Beauharnais, der Residenz des deutschen Botschafters in Frankreich, Mousse de poisson als Vorspeise serviert. Der Ärmste kann wegen einer üblen Zahngeschichte so schlecht kauen, und Fischmousse kitzelt nur ein bisschen den Gaumen. Das Essen zu Ehren des Pariser Gerichtspräsidenten, auf das sich der Diplomat trotz allem gefreut hat, kommt nicht in die Gänge.

Untersuchungsrichter Jacques Ricou, der auch geladen ist, wird unruhig. Merkwürdigerweise lässt sich der sonst so pflichtbewusste Koch nicht sehen. Vergeblich wartet die Gesellschaft auf den Hauptgang. Da stürzt ein aufgeregter Helfer in den Saal: Der Küchenmeister ist ermordet worden! Jacques Ricou, der Unermüdliche, muss wieder ran. Könnte so ähnlich Ulrich Wickerts nächster Kriminalroman beginnen? „Keine schlechte Idee“, findet er. Und weiß gleich zu erzählen, dass der grüne Salon des Hauses einst im Stil des Empire — grüner gestreifter Seidendamast, schwarze Samtborten und Goldapplikationen — restauriert worden ist.

Zwei Kriminalromane hat der 63-jährige „Tagesthemen“-Moderator bislang geschrieben. Seinen ersten Fall, eine Parteispendenaffäre auf Martinique, löste Jacques Ricou nach einigen Anlaufschwierigkeiten. Im zweiten Politthriller riskierte Monsieur le juge Kopf und Kragen bei der Aufdeckung einer veritablen Korruptionsaffäre, die nach Angola führte. Sein dritter Fall soll, so will es Ricous Schöpfer, vor allem in Deutschland spielen. Eine Dienstreise nach Leuna, wo nicht nur die Raffinerien stinken, bietet sich an, und an schweren Helden, schwarzen Kassen, undurchsichtigen Diplomaten und übertragenen Bonvivants sowie den üblichen Waffenschiebern wird auch hierzulande kein Mangel sein.

Alles in allem lässt sich die Menschheit in Zahlen- und Büchermenschen unterteilen. Ulrich Wickert ist ein Büchermensch. Einer, der an seinem Schreibtisch, einem engen Nest aus Büchern und Zeitungen, wie ein Alchemist in seiner Bude sitzt. Meist zufrieden. Ein Dutzend Bücher hat er geschrieben, einige davon im Urlaub in seinem Haus bei Nizza. Bestseller wie „Der Ehrliche ist der Dumme“ waren darunter, und selbst schlimmste, wenn auch vergnüglich zu lesende Verrisse wie Michael Skasas Abrechnung im Spiegel über den „Plauderphilosophen“ und „Blähhals“ Wickert konnten den Erfolg, zu messen an einer Auflage von 350.000, nicht aufhalten.

Die Bibliothek in seiner Fünf-Zimmer-Wohnung in Hamburg-Eppendorf wächst unaufhörlich, klettert die Zimmerwände hoch, verbreitet sich als Bücherpfützen auf dem Boden, überzieht die Wände. Selbst der helle Sessel seines Großvaters vor den Regalen ist mit Geschriebenem schwer beladen. Als Mitbringsel für Besucher empfiehlt sich deshalb, wenn gerade kein Vorschlag für einen Krimieinstieg zur Hand ist, eine Bücherbürste. Am besten eine aus Ziegenhaar und Schweineborsten.

Seit 36 langen Jahren ist Wickert schon Journalist. Er war Korrespondent in Paris, Washington und New York, spürte als Reisender soziale, wirtschaftliche und politische Zusammenhänge auf, versuchte die Menschen in ihren Bedingtheiten zu verstehen und hatte den Blick dafür, was diese Bedingtheiten schaffte. Rundum: Er müht sich von Berufs wegen „einen Zipfel der Wahrheit zu erhaschen“, so fasst er es zusammen. Doch was ist Wahrheit? Die findet vielleicht ein begabter Philosoph.

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