Ulrich Wickert

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Im Schatten des Leuna-Skandals - 29.10.2008, Hamburger Abendblatt

Buch der Woche: Ulrich Wickert - Der nützliche Freund

Nachrichten sind für Ulrich Wickert Schnee von gestern. Die „Tagesthemen" längst kein Thema mehr. Doch das, was lange währt und unerledigt gärt jenseits des journalistischen Alltags, das lässt dem mittlerweile 65-Jährigen keine Ruhe. Das, was wichtig ist.

Auch in Wickerts drittem Kriminalroman „Der nützliche Freund" geht es genau darum. Der Skandal um den Verkauf der ostdeutschen Leuna-Werke an den französischen Mineralölkonzern Elf in den 90ern ist so ein Fall, um den sich jetzt Wickerts Held, der Pariser Untersuchungsrichter Jacques Ricou, kümmern muss. „Das Bemerkenswerte an dem größten Korruptionsskandal der deutsch-französischen Geschichte ist die Unauffälligkeit, mit der er zu den Akten gelegt wurde", schreibt Wickert als lapidare Nachbemerkung zu seinem Roman - und benennt so punktgenau den eigentlichen Skandal.

Mit diesen Akten bekommt es nun also Ricou zu tun. Ein Fall, der ihm quasi vor die Füße fällt - ein Mann, Marc Leroc, ist vom Balkon seiner Wohnung gestürzt und liegt tot auf dem Pflaster im 15. Pariser Arrondissement. An Selbstmord mag Ricou nicht so recht glauben, schließlich war seine Freundin, die Journalistin Margaux, zu jenem Zeitpunkt in Lerocs Wohnung, um ihn zu interviewen. Leroc, ein Mittelsmann beim Verkauf der Raffinerie, plante, in einem Buch Hintergründe zum Leuna-Skandal zu veröffentlichen: Nach seinen Informationen wollte der Elf-Konzern über dunkle Kanäle deutsche Politiker bestechen. Margaux allerdings kann sich an nichts mehr erinnern, sie wird bewusstlos auf dem Balkon des Appartements des Toten gefunden. Ricou steigt mit dem befreundeten Kommissar Mahon in die Ermittlungen ein - und gerät rasch in ein scheinbar undurchsichtiges Geflecht aus Intrigen, Gier und Korruption. Letztlich führt es ihn nach Leipzig, wo er es mit einer so toughen wie attraktiven Staatsanwältin zu tun bekommt. Aber nicht nur mit ihr.

Wickert erzählt die spannende Geschichte linear an seiner Hauptfigur entlang, würzt alles mit einer Prise Pariser Lebensart, dezentem Humor und kaum chiffrierten Fakten.

Der Skandal um den Verkauf der Leuna-Werke - das ist eine jener Geschichten, die wie gemacht sind für Kriminalromane, die sich als gesellschaftlich-kritische Bestandsaufnahme verstehen. Jenseits aller tagespolitischen Nachrichten, gleichwohl aber zum Nutzen eines jeden Lesers. Ulrich Wickert erzählt sie.

Volker Albers

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