Ulrich Wickert

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"Von der Förderung der Gier" - 10.12.2011, SZ

Dieses Buch handelt nicht von dem Wert in materieller Bedeutung, also Gebrauchswert oder Börsenwert, sondern von Werten, die sich auf Menschen beziehen, also im ethischen Sinn: Anstand, Respekt, Humanität in der Wirtschaftswelt. Ulrich Wickert, der als Journalist gelernt hat, schwer verstehbare Sachverhalte in populären Formulierungen unters Volk zu bringen, greift sein Lieblingsthema Ehrlichkeit, Moral und Tugendwieder auf. Ihm mag vorgehalten werden, dass er in seinen Büchern immer das gleiche Thema variiert. Unredlich ist es aber auch für einen prominenten Bestsellerautor nicht, wenn er seine Inhalte fortschreibt. Dabei ist Wickert radikaler geworden, ohne ein Berufsempörter zu werden.

„Grundfalsch“ sei die Vorstellung, das Handeln des Menschen auf sein Eigeninteresse zu reduzieren, meint er. Soziale Gerechtigkeit und solidarisches Verhalten seien starke Triebfedern. Diese nicht sonderlich überraschenden Erkenntnisse wurzeln in seinen Grundüberzeugungen: Er glaubt an die Ideale der Französischen Republik – Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Er vertraut auf die sozialdemokratischen Grundwerte – Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität. Und er erhebt den „Ehrbaren Kaufmann“ zum unternehmerischen Leitbild. Wickert bezieht sich gern auf Altkanzler Helmut Schmidt und nimmt Empfehlungen von Peer Steinbrück auf, Sigmar Gabriel konnte dem Autor in einer Rezension „nur zustimmend folgen“.

Wickert präsentiert sich als volksnaher Wirtschaftsversteher ohne professoralen Zeigefinger. Er formuliert besonnen, manchmal diplomatisch rücksichtsvoll, und legt Weisheiten auf, die so unbestreitbar sind, dass jeder sie unterschreiben könnte: „Alles menschliche Handeln muss auf der Achtung der Würde des anderen basieren“ oder „Ökonomie muss sich dem Gemeinwohl unterordnen“. Umrankt von allerlei, dem aufmerksamen
Zeitungsleser geläufigen, Daten und Zitaten und angereichert mit Anekdoten,ist sein Buch auch für Laien eine gefällige Lektüre. Es enthält Anstöße zur Debatte über die Finanz- und Bankenkrise, deren ethische Aspekte heute noch nicht im Vordergrund stehen.

Der Autor klagt die Mechanismen des kapitalistischen Finanzsystems und die „Parallelwelt der Banker“ an. Er benennt die Maßlosen wie den Ex-Manager der Bayern LB, Gerhard Gribkowsky, der rund 40 Millionen Dollar von Bernie Ecclestone dafür kassierte, dass er die Formel-1-Anteile der Bank verkaufte. Staatlich geförderte Abschreibungsund Steuersparmodelle sind in seinen Augen „nicht Wirtschafts-, sondern Gierförderung“. Deren Verfechter, wie etwa FDP-Generalsekretär Christian Lindner, macht er dafür mitverantwortlich. Seine Rezepte, die er in Politikvokabular als „Maßnahmenpakete“ vorstellt, lauten so: „Erstens müssen wir starke Vorschriften als ,Verkehrsregeln für die
Finanzmärkte‘ (Steinbrück) aufstellen. Zweitens muss Moral wieder als Lenkungskraft
gestärkt werden, um so bei der Regulierung der Banken wirksam zu werden.“ Kein Wunder, dass Wickert für eine Finanztransaktionssteuer von 0,1 Prozent plädiert und dass er von der Politik verlangt, sie müsse sich „die Macht zurückholen, die ihr gehört“ und ihre Regeln selbst streng anwenden. Die Grundlagen für Wickerts wahrhaftige Wirtschaftswelt müssten aber in elterlicher Erziehung und schulischer Bildung gelegt werden. Im Ökonomiestudium müsse das Fach „Wirtschaftsethik“ verpflichtend sein, und in Unternehmen sollten „Angestellte mit Rückgrat“ darüber wachen, dass Steuerbetrug und Bestechung
nicht mehr als Kavaliersdelikte geduldet werden.

Helmut Lölhöffel

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