Ulrich Wickert

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Die Welt durch Ulrich Wickerts Brille gesehen - 23.01.2013, ERLANGER Nachrichten

ERLANGEN - Vor begeistertem Publikum hat der Journalist, Autor und frühere „Mister Tagesthemen“ in der Buchhandlung Rupprecht sein neues Buch „Neugier und Übermut“ vorgestellt.

„Ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Abend und eine geruhsame Nacht.“ Als Ulrich Wickert sich mit diesem Satz von seinem Publikum in der Buchhandlung Rupprecht verabschiedet, ist es ein bisschen wie früher, als er noch „das Gesicht“ der Tagesthemen war. Beruhigt und gut gelaunt machen sich die 350 Besucher der Lesung auf den Heimweg. Der Schlusssatz hat gut getan. Zwar ging es den ganzen Abend um „Neugier und Übermut“ — so auch der Titel von Wickerts neuem Buch — , aber nun war man zu Altvertrautem zurückgekehrt. Und es waren Worte, die verbinden: den großen Mann auf der Bühne — 1,96 Meter, wie er selbst sagt — und seine Zuhörer.

Ulrich Wickert ist Medienprofi. Da ist es klar, dass er in Erlangen auch kurz auf ein Kapitel seines Buches zu sprechen kommt, aus dem er dann gar nicht vorliest. „Käse unter dem Hotelbett“ heißt es und handelt von dem Pariser Käsehändler Roland Barthélemy. Der sei, ebenso wie beispielsweise Eugène Ionesco — über ihn liest Wickert — eine für ihn wichtige Person. „Sie wissen in Erlangen ja, was guter Käse ist“, schiebt der Autor geschickt hinterher. Und seine kundigen Fans nicken und wissen, dass er — der sich in seinem Buch als „Ehrenkäsemeister“ der „Guilde de Saint Uguzon“ outet — Kunde des Erlanger Käsemeisters Volker Waltmann ist.

Überhaupt löst sich Wickert ziemlich oft von seinem Buch und reichert die Lesung mit erzählten Anekdoten an, erklärt hier und da, schweift auch mal ab, um dann wieder zu zeigen, dass er dramaturgisch alle Fäden in der Hand hält. Und so hat man das Gefühl, einem eher privaten Gespräch beizuwohnen mit einem, der die Welt gesehen hat — eine kurzweilige Ergänzung zu dem Werk, das er „als Arbeitsbiografie“ geschrieben hat.

Damit verbunden ist der Anspruch, ein Bild der letzten 50 Jahre zu zeigen. Und es schließt sich der Kreis, wenn der 70-Jährige von den Anfängen seiner journalistischen Karriere als unerschrockenes Mitglied einer „Generation ohne Angst“ erzählt, um dann am Ende auf Politiker und Dichter zu sprechen zu kommen, unter denen er sich ganz selbstverständlich bewegt, quasi als einer von ihnen. Da erscheint eine Biografie wie die seine auch schon mal wie ein „Who is Who“, eine Art Lexikon prominenter und bedeutender Personen.

Umso erfrischender, wenn er keck von sich selbst erzählt — „wie ich zum Journalismus kam, was ein Zufall war und auch ziemlich peinlich“. Im Buch schildert er sein Vorstellungsgespräch beim Fernsehdirektor des WDR, Hans-Joachim Lange: „Ich trug eine lange Mähne bis auf die Schultern, hell-orangene Samthosen, oben eng, unten weit, und auf der Nase eine große Brille aus hellrotem Plastik. Ich sagte: ,Sie müssen durch diese Brille schauen, dann wird sich Ihr Leben verändern!‘ Er stand auf, trat an das große Fenster, setzte die Brille auf und schaute hinaus. Sein Leben änderte sich nicht. Er schüttelte den Kopf. Dumm gelaufen. Wir setzten uns.“

So beginnen Karrieren. Manchmal jedenfalls. Durch eine rote Brille gesehen: die von Ulrich Wickert.

ek



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