Ulrich Wickert

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Anekdoten aus dem Leben vor dem Wetter

Es sind die kleinen Mienenspiele, die aus einem sehr guten Redner einen exzellenten Erzähler machen. Ein kurzes Augenverdrehen, ein Zwinkern oder Hochziehen der Augenbraue verleiht den Worten wahlweise zusätzliches Gewicht oder nimmt ihnen die Schärfe. Insofern muss man Ulrich Wickert einfach zu den brillanten Rednern zählen. Viele sahen ihn jahrelang auf dem heimischen Bildschirm, nun konnten sie ihn live erleben: Ulrich Wickert, 15 Jahre lang das Gesicht der „Tagesthemen“, kam auf Einladung der Stadtwerke, der Volksbank Kur- und Rheinpfalz sowie unserer Zeitung zum „Talk im Schloss“.

Wickert hatte sein Büchlein „Donner-Wetter – Allerletzte Meldungen vom Tage“, mit ins Rokokotheater gebracht, eine Sammlung von kuriosen und absurden Meldungen, mit denen er seinerzeit zum Wetter übergeleitet hatte. Doch bevor er daraus vorlas, gab er noch einige Anekdoten aus seinem journalistischen Leben zum Besten. Etwa die kleine Geschichte, die ihm Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder erzählt hatte. US-Präsident George W. Bush habe dem jordanischen König Abdullah erzählt, dass Gott ihm gesagt hätte, er solle Krieg gegen den Irak führen. Schröder habe Abdullah daraufhin den Rat gegeben, dieser solle Bush das nächste Mal entgegnen, dass Gott dem Schröder aber etwas anderes gesagt habe...

Was vielleicht nicht alle an diesem Abend gedacht hatten: Es wurde viel gelacht. Ulrich Wickert präsentierte viele seiner Geschichten so, wie man ihn von den „Tagesthemen“ gekannt hatte: Hintergründig, mit leicht ironischem Unterton. Seinen Humor hatte übrigens auch Stadtwerke-Chef Peter Mülbaier zu spüren bekommen: Wickert rief ihn vor der Veranstaltung vom Flughafen aus an und beschwerte sich, dass er hier alleine rumstünde und kein Fahrer da sei. Noch bevor Mülbaier das Adrenalin ins Blut schießen konnte, löste Wickert selbst auf: Er habe ein Handy gefunden und einfach mal eine Nummer gewählt.

Aus dem Medienalltag geplaudert

Interessant waren vor allem die Geschichten und Anekdoten aus der Fernsehbranche. „Richtig interessant wird es meist erst, wenn die Kameras aus sind“, meinte Wickert mit einer Spur des Bedauerns - und streute flugs noch eine herrliche Anekdote von einem Interview mit dem damaligen Kanzler Helmut Schmidt ein. Dieser habe nur widerwillig geantwortet, zudem musste das Gespräch zweimal wiederholt werden. Während sich Schmidt in der Pause über seinen Schnupftabak hermachte, fragte ihn Wickert, ob er nur schnupfe oder auch spritze. „Seitdem sind wir Freunde“, so Wickert trocken. Obwohl - oder vielleicht vielmehr weil - einer der wenigen intellektuellen Menschen im Fernsehen, setzte er bei seinen Moderationen auf Klartext und sprach von Strafmaßnahmen statt Sanktionen und von Judenvernichtung statt Holocaust.

Politik lebt vom Wort

„Gerade Politik lebt vom Wort, man sollte sorgsam damit umgehen“, mahnte Wickert. Da mit Worten in vielen Gebieten Humbug getrieben werde, sei es also notwendig, darauf aufmerksam zu machen. Ulrich Wickert schaffte in seinem Vortrag hervorragend die Balance zwischen etwas ernsthafteren Themen und den Bonmots - ein brillanter Redner eben! Wobei sich der eine oder andere Zuhörer vielleicht mehr persönliche Anekdoten statt des Vorlesens gewünscht hätte.

Ein Erfolg war die vierte Auflage von „Talk im Schloss“ allemal. Dafür sorgte nicht nur ein (erneut) hochkarätiger Gast, sondern auch die von Dr. Wolfgang Willam geleitete Big Band „Dirty Groovie Socks“, eine Kooperation zwischen dem Hebel-Gymnasium und dem Musikverein, die die Gäste bei einem Gläschen Sekt oder Bier auf Wickert einstimmte. Auch nach dessen Auftritt war das Foyer gerappelt voll - die einen ließen sich eines der 17 Bücher signieren, die anderen sprachen mit Freunden oder Geschäftspartnern über den Auftritt - „Talk im Schloss“ im wahrsten Wortsinn.

Text: Schwetzinger Zeitung / Ralph Adameit

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