Ulrich Wickert

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Mr. Tagesthemen

AALEN - Einen Magneten hatte die Kreissparkasse Ostalb engagiert. Über 1800 Menschen, so viele Besucher wie nie zuvor, strömten gestern Abend zum Sparkassenforum. Sie kamen, um Ulrich Wickert zu erleben. Der Moderator der Tagesthemen und Buchautor referierte über den Inhalt seines Werkes „Zeit zu handeln - den Werten einen Wert geben".

Mit 800 Zusagen hatte die Kreissparkasse gerechnet. Um den 1000 zusätzlichen Gästen Platz bieten zu können, hatte sie ihre bestbesuchte Vortragsveranstaltung aller Zeiten von der Stadt- in die Greuthalle verlegt. Mit rauschendem Applaus begrüßten dort die Kunden und Ehrengäste den Anchormann der ARD: jenen groß gewachsenen 61-Jährigen, dessen kantige Züge der Fernsehnation nach 13 Jahren „Tagesthemen" fast so vertraut sind wie die eigenen.

Im Vergleich zum Großformat auf dem Fernsehschirm schien der Mann auf der Bühne relativ entfernt. Wickerts anfängliche Ausstrahlung machte es wett. „Schönen Abend, meine Damen und Herren. Ich freue mich, Sie mal zu sehen". Mit der Begrüßung gewann er das Publikum sofort für sich. Sachlich-gelassen, mit schnoddrigem Charme und einer Prise Ironie tauchte der Publizist in ein ernstes Thema ein: den Zustand der Gesellschaft und die Frage, wie man sie besser machen kann: Wie man den Werten einen Wert geben kann.

2001 hat er seine Gedanken dazu in ein Buch gefasst. „Zeit zu handeln" ist das dritte Werk, in dem Wickert sich mit dem Thema auseinander setzt, nach „Verlust der Werte" (1994) und dem „Buch der Tugenden" (1995).

„Sie selbst müssen handeln", gab der Journalist den Zuhörern mit. "Nur der Bürger kann durch sein Handeln den Werten wieder einen Wert geben."

Bis er zu diesem Schluss kam, führte Wickert sein Publikum an einem roten Faden, der viel Spiel für Beispiele und Anekdoten ließ.
Werte seien für die Gesellschaft wichtig, sagte Wickert. Aber wir hätten vielen von ihnen verloren. „Wir leben in einem schwierigen Zeitalter", so der Referent. Technik wie das Internet verändere die Arbeit, neue Möglichkeiten wie etwa in der Transplantationsmedizin werfen offene Fragen auf. Diese Umbrüche machten viele Menschen orientierungslos.

Diese Orientierungslosigkeit werde weiter genährt: durch die Subjektivierung der Werte und Normen als Folge einer übermäßigen Individualisierung, durch das Versagen der Politik als Wegweiser und durch eine Banalisierung der öffentlichen Gespräche - im Fernsehen, aber auch in der Politik, wenn Parteien Verkaufsstrategien vor Inhalte stellten.

Neue Orientierung können den Menschen laut Wickert Werte wie Gerechtigkeit, Solidarität oder Zivilcourage geben. „Werte sind die Richtschnur der Gemeinschaft." Von solchen Werten ließen sich die Bürger allerdings nur in die Pflicht nehmen, wenn sie auch ihre Inhalte einsähen. Deshalb müssten die Menschen die Inhalte erarbeiten.

Nun schöben viele Menschen die Verantwortung fürs Handeln auf den Staat. Dabei sei der Staat ja nur „ein Sammelsurium von Institutionen, die die Bürger sich gegeben haben, um Gemeinschaftsaufgaben zu übernehmen“. Wenn sie etwas ändern wollten, müssten die Menschen schon selbst handeln: im Ehrenamt, der Erziehung, der Schule - überall den Werten wieder konkreten Wert geben.

Vor dem Vortrag hatte Sparkassendirektor Johannes Werner die Gäste begrüßt. Auch der Kreissparkasse Ostalb seien Werte in ihrem Handeln wichtig. „Werte sind für uns die Leitplanken einer strategischen Unternehmens-Ausrichtung", sagte der Vorstandsvorsitzende. Das Kreditinstitut sehe sich als Partner der Gesellschaft.

Sylvia Möcklin, Redakteurin der Aalener Nachrichten.

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