Ulrich Wickert

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Ulrich Wickert spricht über den Wert von Werten - 18.11.09, Schwäbische Zeitung

Ulrich Wickert ist in der Menschenmenge bereits durch seine Körpergröße aufgefallen. Als Gastredner der Volksbank Überlingen hat „Mr. Tagesthemen“ im voll besetzten Kursaal über ein sehr aktuelles Thema „Zeit zum Handeln. Den Werten einen Wert geben“, gesprochen.

Die Tagesthemen moderierte Wickert das letzte Mal im August 2006, aber sein Profil ist vielen Menschen noch immer sehr vertraut. Nach Peter Hahne und Friedrich Nowottny konnte die Volksbank Überlingen für ihre Veranstaltungsreihe „Ein Abend mit….“ einen dritten prominenten Journalisten nach Überlingen holen.

Mit einer Frage eröffnete Wickert seinen Vortrag: „Wie bin ich zur Auseinandersetzung mit dem Thema Werte gekommen?“ Seine Antwort: die Einsichten eines Professors für Soziologie und Pädagogik namens David Émile Durkheim, ein Auftrag für ein Buch (Freiheit, die ich fürchte) und die Anfrage für einen Vortrag an der Wirtschaftsfakultät Köln. Die einseitige Ausrichtung der Diplomanten an ökonomischen Prinzipien machte ihn nachdenklich. Ethik, Werte, das sei für diese Absolventen ein „weißer Fleck“ gewesen.

Ethik oft ein „weißer Fleck"

Die Beschäftigung von Wickert mit der Frage „Was bedeutet Moral in der Gesellschaft?“ führte ihn zu interessanten Einsichten, die er mit den Zuhörern teilte. Beispielsweise zum Nachdenken über die nationale Identität. Wobei, so Wickert, dieser Begriff in Deutschland nicht mehr so negativ besetzt sei wie früher. Dank der sehr stark emotional geprägten Wiedervereinigung und der Fußball-WM, die besonders die jüngere Generation wieder stolz und unbeschwert die deutsche Fahne schwingen und die Nationalhymne singen ließ. Wickert:„Wir werden jetzt im Umgang mit unseren nationalen Symbolen normaler“. Die andere Seite der Einheit: Deutschland werde von anderen Staaten wieder als Nation gesehen und so behandelt – auch bei der Frage von militärischen Einsätzen. Werte und nationale Identität sind laut Wickert stärker miteinander verbunden als uns bewusst ist. "Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern frage, was du für dein Land tun kannst", formulierte einst US-Präsident Kennedy. In Deutschland würde die Mehrheit diesen Satz gerade anders herum formulieren – und das häufig ohne ein Gefühl der Scham. Zwar würden die Errungenschaften der Französischen Revolution – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – als Grundwerte einer Demokratie angesehen, aber, so seine Beobachtung, in der alltäglichen Praxis sehr individuell ausgelegt. Vor allem, wenn es um die Tugenden wie Verantwortung und Solidarität gehe. Das fange beim kleinen Versicherungsbetrug an, führe über Diebstahl am Arbeitsplatz bis zur Steuerhinterziehung und zu einer Anspruchshaltung an die Gesellschaft. Wickert warnte vor einer falsch verstandenen Toleranz, zu der wir Deutschen als Folge der Erfahrungen im 3. Reich neigen. Als Beispiel führte er die „Ehrenmorde“ an.

Für ihn ein Widerspruch in sich: „Die Ehre basiert in der Menschenwürde. Mord verletzt die Menschenwürde.“ Ein nationalsozialistisches Erbe auch der schwierige Umgang mit der Frage der Organspende. Währendin Frankreich im Sinne der Brüderlichkeit der Aspekt der Solidarität im Vordergrund stehe, sei dies bei uns die Individualität. Die Konsequenz: Im Nachbarland gilt jeder als freiwilliger Organspender - sofern er dem nicht widersprochen hat. Bei uns ist es gerade umgekehrt.

Zeit zu handeln. Den Werten einen Wert geben: „Sie“, erklärte Wickert zum Schluss in Richtung seiner Zuhörer, „können etwas verändern wenn Sie ihr Handeln ethisch begründen“. Als Beispiel führte er eine Lehrerin an, die durch ihre unkonventionelle, Identität und durch Wir-Gefühl stiftende Vorgehensweise, das Klima in ihrer Klasse entscheidend zum Positiven veränderte. „Es ist ganz einfach: Man muss dafür weder Heiliger noch Held sein.“

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