Ulrich Wickert

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Dem nackten Radler auf den Fersen - 25.09.2010, GEA

REUTLINGEN. Die Zeiten, in denen der Mister Tagesthemen die Zuschauer in eine »geruhsame Nacht« entließ, sind vorbei. Jetzt schickt Ulrich Wickert seine Leser auf Verbrecherhatz. Seinen neuesten Krimi, den vierten Fall für den Pariser Untersuchungsrichter Jacques Ricou, stellte der 67-Jährige am Donnerstag bei Osiander in Reutlingen vor. Vor 250 Zuhörern, die er mit den Worten »Schön, dass ich Sie mal sehe« begrüßte, plauderte er entspannt aus dem Nähkästchen, erzählte von seinem Krimi-Faible und von einer Zuschauerin, die ihm, TV-Dauergast in deutschen Wohnzimmern bis 2006, einmal schrieb: »Ich hab einen neuen Teppich. Wie gefällt der Ihnen?«

In »Das achte Paradies« (erschienen im Piper-Verlag, München) kämpft Ricou mit der georgischen Mafia. Doch auch die französische Regierung macht ihm das Leben schwer. Ausgangspunkt ist das Verschwinden von Gina. Margaux, Journalistin, Cousine der Vermissten und die Frau an Ricous Seite, befürchtet, dass Ginas Recherchen in ihrem Auftrag das hoch bezahlte Model in Gefahr gebracht haben. Mit seinem kongenialen Polizeipartner Jean Mahon begibt sich Ricou auf Spurensuche.

Ob Paris, Berlin, Neapel oder Nizza: Ein achtzackiger Stern zieht sich wie ein roter Faden durch die Ermittlungen, die der Berater des französischen Präsidenten zu durchkreuzen versucht. Als Ricou auf Mara, die attraktive Chefin eines südfranzösischen Parfümimperiums trifft, wirbelt das sein Liebesleben gehörig durcheinander. Gleichzeitig gerät er seinem Ziel ganz nah, die Hintermänner des Verbrechersyndikats zu fassen -

Man brauche nur die Zeitung aufzuschlagen, um zu sehen, »wie viel politische, nein: kriminelle Energie es bis hinauf in höchste Politikkreise gibt«, meinte Wickert. Sein Anspruch sei es, sich bei der Wirklichkeit zu bedienen, wobei er diese an seinen Krimi-Plot anpasst. »Boshaft könnte man sagen, die Bibel war der erste Krimi. Was da alles vorkommt! Brudermord und Sodom und Gomorrha.«

Wickert kennt die Orte, die er beschreibt, und die französische Lebensart, war er doch jahrelang Paris-Korrespondent und lebt heute in Südfrankreich. Die Straßenzüge, in denen er das Geschehen ansiedelt, sieht er sich eingehend auf Google Street View an.

Bevor er loslegt, hat er die Handlung auf acht bis neun Seiten skizziert. An »Das achte Paradies« hat er, mit größeren Unterbrechungen, etwa ein Jahr gesessen. Nach gemütlichem Start nimmt der Krimi so richtig Fahrt auf und sorgt auf über 300 Seiten für Spannung und Lesevergnügen.

»Sie glauben, Sie wüssten jetzt ziemlich viel«, ließ Wickert sein Publikum bei der Lesung bewusst im Unklaren über den Ausgang. Zwischendurch pustete er (»Willst du überleben?«) eine Fliege vom Mikrofon, die ihn den Abend über belästigte. Haften blieb am Ende vor allem die Szene, in der Ricou sich auf den Drahtesel schwingt und einem nackt durch die Straßen radelnden Verdächtigen nachjagt. (GEA)

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