Ulrich Wickert

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Ulrich Wickert – Entdecker und Welterklärer aus Leidenschaft

Von Hans-Martin Barthold (berufsreport.com) – 15. Mai 2019

Die Verlage warten bereits ungeduldig auf seine Manuskripte. Pünktlich zu den Buchmessen im Herbst dieses Jahres sollen ein neuer politischer Essay und ein Kinderbuch von ihm erscheinen. Ulrich Wickert hat sich deshalb in Schreibklausur zurückgezogen, wie er es nennt. Für den „Berufsreport“ unterbricht er sie. Ausnahmsweise. Als Autor weiß man so viel Entgegenkommen zu schätzen. Der Kontakt zur Vereinbarung eines Termins gestaltet sich freundlich und unkompliziert. Das anschließende Gespräch über seine ebenso lange wie beeindruckende Karriere ist eines, was man so wohl nur mit ihm führen kann. Ulrich Wickert zeigt sich souverän, doch nicht arrogant; klar, aber nicht spitzfindig; offen und zugewandt, doch nicht vereinnahmend; konkret, aber nicht ausufernd; konzentriert, doch ohne Tunnelblick; präzise, aber nicht besserwisserisch; humorvoll, witzig und manchmal sogar spitzbübisch, doch nicht hämisch und niemals verletzend.

Ein solches Profil ist weder Massenware noch Mainstream – und war es zu keiner Zeit. Manches wurde Ulrich Wickert in die Wiege gelegt, anderes ganz einfach durch sein familiäres Umfeld mit auf den Weg gegeben, einiges musste er sich mit Fleiß erarbeiten. Einen einfachen Weg hat es ihm nicht beschert, einen Rückblick in Zufriedenheit freilich schon. Trotz Höhen und Tiefen, Siegen und Niederlagen scheinen die Summe seiner Lebensjahre eine positive und ein Mann mit sich im Reinen. Am Ende steht eine Persönlichkeit, keineswegs ohne Schwächen und Eitelkeiten, doch intelligent, gebildet, selbstbewusst, gewinnend, elegant und mit wachem Blick auf die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen. So kannte man ihn als Anchorman der allabendlichen „Tagesthemen“, deren Gesicht er über fünfzehn Jahre war, länger als jeder Kollege vor und nach ihm. Es war die Krönung einer journalistischen Karriere, die nur wenigen zu Teil wird. Genauso kennt man ihn heute als aktuellen Buchautor.

Tiefgründig und faktengeleitet

Noch etwas zeichnet Ulrich Wickert aus. Schon zu Zeiten, als es noch nicht zum Gegenstand öffentlicher Debatten erhoben war, besaß er eine klare Haltung zu den Geschehnissen. Und besitzt sie heute noch. Seine zahlreichen Bücher beweisen es. Als Journalist wollte er seinen Zuschauern die täglichen Ereignisse faktenkundig, umfassend und mit intellektuellem Tiefgang, wenn auch ohne missionarischen Eifer, erklären. Da konnte er, wenn er eine Argumentationskette für unvollständig hielt, gegenüber den Redakteuren von „Tagesschau aktuell“ schon einmal hartnäckig, nachdrücklich und wenn nötig, sogar robust werden. Gut gemeinte, aber unsaubere Recherchen trieben seinen Blutdruck in Höhen, die wohl auch wenig ängstliche Ärzte als gefährlich eingestuft hätten. Stets beschränkte er sich nicht allein darauf zu sagen, so ist es. Sein journalistischer Ehrgeiz war es immer, erklären zu wollen, warum etwas so ist, wie es ist. Das hielt er beim Politmagazin „Monitor“, wo er begann, genauso wie bei seiner letzten Station, den „Tagesthemen“.

Besonders dankten die Zuschauer das dem Journalisten Wickert bei dessen zwischenzeitlichen Einsätzen als Auslandskorrespondent in New York und Paris. Dort mochte er sich nicht auf eine Aufzählung dessen beschränken, was Amerikaner und Franzosen anders machen als Deutsche. Immer versuchte er, einem Anthropologen gleich, herauszufinden, warum sie die Welt mit anderen Augen sehen, weshalb sie anders urteilen und aus welchen Gründen sie andere Entschei-dungen treffen. Hin und wieder wählte er dazu unkonventionelle Aktionen. Unvergessen sein Gang über die Place de la Concorde  im dichten Verkehr der Rushhour. Nicht um damit Heldenstatus zu erlangen als einer, der es lebend bis zur anderen Straßenseite schafft. Nein, er wollte damit den Zuschauern in Deutschland einen Blick in die Seele des französischen Autofahrers gewähren. Heute würden solche Aktionen wahrscheinlich unter großem Trommelwirbel und Fahnenappell  als Beitrag zur Völkerverständigung eingeordnet. Und tatsächlich haben seine Beiträge genau das bewirkt. Ulrich Wickert aber würde wohl sagen: „Das war mein Job.“

Überzeugung und Meinungsfreiheit

Was für Ulrich Wickert im Beruf galt, hat er auch im Privaten so gehalten. Eine Haltung zu den Dingen dieser Welt einzunehmen. Bis jetzt. Seit vielen Jahren schon engagiert er sich für das Kinderhilfswerk „Plan International Deutschland e.V.“. Seine Patenschaft dafür stilisierte er gleichwohl nie zum Medienereignis. Das ist nicht sein Stil. Auch in unserem Gespräch verliert er darüber kein Wort. Die Konzeption dieses Kinderhilfswerkes aber entspricht wohl genau seinem Lebensverständnis: Wissensdurst statt Hunger. „Plan International Deutschland e.V.“ setzt auf Hilfe zur Selbsthilfe. Es geht um Lebenschancen, finanzielle und soziale Selbstbestimmung, um Unabhängigkeit, um Menschenwürde. Aber es geht auch um die Lust am Leben – und, bei aller Verantwortung, vielleicht sogar um ein Stück Leichtigkeit des Seins. Wickert beherrschte und beherrscht Beides. Mehr aber noch besitzt er ein feines Gespür dafür, wann dem Einen Vorrang vor dem Anderen zu geben ist.

Einer in Journalistenkreisen gar nicht so seltenen Versuchung, die Welt ideologisch in Gut und Böse einzuteilen, widerstand Wickert berufslebenslang. Sein Credo lautete stattdessen: hinschauen, nachfragen, analysieren und dann erklären. Vielleicht aber hatte er für dümmliche ideologische Haarspaltereien auch einfach zu viel von der Welt gesehen. Wickert wurde in Tokio geboren und wohnte dort bis zu seinem fünften Lebensjahr. Als 14-Jähriger zog er mit seinen Eltern für drei Jahre nach Paris. Später wechselte er mit einem Fulbright-Stipendium für ein Jahr an die Wesleyan University in Connecticut an der amerikanischen Ostküste. Als Student bereiste er Ägypten. Jedenfalls bewahrte ihn sein lebensbejahender Pragmatismus erfolgreich vor so manchem Irrweg. Und bei böswilligen Angriffen gegen seine Person war er sich auch für die eine oder andere List nicht zu schade. Wie etwa im Jahr 2001, als er in der Zeitschrift MAX die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zitierte und damit unerwartet eine Welle der Empörung auslöste.

Anfeindungen listig pariert

Arundhati Roy hatte zuvor den damaligen US-Präsidenten Georg W. Bush mit dem Terroristenführer Osama bin Laden verglichen. Zwar hatte Wickert darauf nur in allergrößter diplomatischer Zurückhaltung Bezug genommen, dennoch drohte ihm ob dieser Unbotmäßigkeit die Entlassung bei den „Tagesthemen“. Er handelte schnell. Noch bevor die ARD-Gewaltigen Zeit für das Ausfertigen der Entlassungsurkunde hätten finden können und noch bevor die Ausgabe der auflagenstärksten Tageszeitung am nächsten Morgen an die Kioske ausgeliefert wurde, entschuldigte er sich öffentlich. Nicht eigentlich für das, was er gesagt hatte, sondern für das, was ihm seine Ankläger unterstellten: allem voran Beleidigung des Präsidenten und Antiamerikanismus. Wer lesen und hören wollte, verstand die Entschuldigung als Erklärung über Zusammenhänge und Hintergründe. Ganz plötzlich fanden sich seine Gegner wutschnaubend mit leeren Händen wieder. Die Kampagne zum Sturz des Tagesthemenmoderators Ulrich Wickert musste ausfallen. Die Schadenfreude des Siegers verkniff er sich. Nur enge Freunde hätten wahrscheinlich ein paar Lachfalten mehr um seine klugen Augen finden können.

Doch zurück zu den Anfängen. Der Gymnasiast Wickert sah seine berufliche Zukunft trotz einiger auch vom Lehrerkollegium beachteter Beiträge in der Schüler- und Regionalzeitung als Diplomat im Auswärtigen Amt. Die Arbeitstage und das Arbeitsumfeld des Vaters, der an der deutschen NATO-Vertretung in Paris als solcher arbeitete, fand er verlockend. „Im Übrigen“, gibt er unumwunden zu, „war es der einzige Beruf, den ich wirklich kannte.“ Das damals noch ungebrochene Juristenmonopol des diplomatischen Korps gab die Wahl des Studiums vor. Ulrich Wickert schrieb sich an der Universität Bonn in der Jurisprudenz ein. Und bemerkte schnell die Mühen der rechtswissenschaftlichen Ebene. Da kamen das Fulbright-Stipendium und das Studium an der Wesleyan University gerade recht. Er fand einen Professor, dem er seinen Kummer über die bisherigen juristischen Lehrveranstaltungen offenbarte. Und machte eine Erfahrung einer Erleuchtung ähnlich.

Auf die Stärken besinnen

„Dieser Professor machte mir Mut, doch einfach die Vorlesungen und Seminare zu belegen, die mich interessierten“, erinnert sich Ulrich Wickert. Genauso tat er es. Er tauchte ein in die politischen und Literaturwissenschaften. Er lernte Russisch und probierte sich in mehreren Kunstkursen aus. „Es war ein völlig neues Lebensgefühl“, bringt ihn der Rückblick noch heute ins Schwärmen. Freilich verlor sich Wickert nicht in den narzisstischen Verlockungen dieser neuen Freiheit. Er sah sie begrenzt und sich gebunden in sozialer Verantwortung getreu dem Kennedy-Wort: „Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann – fragt, was ihr für euer Land tun könnt.“  Nach der Rückkehr engagierte er sich bis zum Studienende im AStA, dem Allgemeiner Studentenausschuss. Das Jurastudium führte er fort. Die Fron der Repetitorien nahm er ohne Murren auf sich, wenn auch schweren Herzens. Zusätzlich vertiefte er seine Kenntnisse in der Soziologie und Politologie.

Die Würfel gegen eine diplomatische Karriere waren freilich längst gefallen. Statt des zweiten juristischen Staatsexamens entschied Ulrich Wickert sich für die ersten Schritte in den professionellen Journalismus. Vom Fernsehen, wo er wenig später landen sollte, hatte er noch keinen blassen Schimmer. Auf viel mehr als ein Hörfunk-Feature für den Hessischen Rundfunk konnte er nicht verweisen. Dessen ungeachtet aber bewarb er sich beim WDR. „Der Fernsehdirektor lud mich zu einem Vorstellungsgespräch ein“, erzählt er und staunt auch nach so langer Zeit noch über die Kühnheit des jungen Ulrich Wickert. Ob wegen seines Mutes oder eher aus Mitleid, was ungeklärt bleibt, schickt der Fernsehdirektor ihn zum Redaktionsleiter des politischen Magazins „Monitor“. Der hieß Claus Hinrich Casdorff und ließ den hoch gewachsenen jungen Mann erst einmal vier Wochen auf einen Termin warten. Aber auch dann schien er so recht keine Verwendung für ihn zu haben. In diesem Moment kam der Zufall Ulrich Wickert zu Hilfe und der war geistesgegenwärtig genug, die unverhoffte Chance beim Schopfe zu ergreifen.

Seinen Fähigkeiten vertrauen

Casdorff plagte ein Problem. Für ein Aufnahmeteam, das einen Beitrag über Ägypten drehen sollte, fehlten ihm noch Leute. Aufgrund der zu diesem Zeitpunkt lückenhaften touristischen Infrastruktur, hielt sich das Interesse der redaktionellen Platzhirsche in engen Grenzen. Ob Wickert eventuell Zeit und Lust hätte? Aber gewiss doch! Und Ortskenntnisse besitze er auch. Der Teamleiter, die abgedrehte Geschichte in der Filmrolle und wieder in Köln, äußerte sich lobend über den jungen Mann. Wickert hatte den Fuß in der Tür. Es folgten weitere Einsätze. Er lernte bei jedem etwas hinzu. Ein Volontariat erübrigte sich damit. Bald schon reichte es für eine regelmäßige Beschäftigung als “fester Freier”. „Journalismus ist Handwerk“, gibt er sich mit dieser Erfahrung überzeugt. Nur tägliches Üben verbessere die Fingerfertigkeit. „Allerdings ist es nicht nur Methode“, gibt er zu. Es gehe natürlich auch bei der kleinsten Meldung stets um Sachverhalte. Deshalb empfiehlt er allen am journalistischen Schreiben interessierten jungen Menschen ein Fachstudium. „Dann weiß man, wovon man spricht oder kann sich andersartige Zusammenhänge intellektuell schnell erschließen.“

„In diesem Sinn“, gibt Ulrich Wickert zu, „wurde die eher ungeliebte Juristerei doch noch ein Baustein meines journalistischen Erfolges.“ Immerhin verdanke er diesem Studium die strenge Ausrichtung an belastbaren Fakten sowie die absolute Logik und Präzision der Gedankenführung. Darüber hinaus seien die meisten politischen Sachverhalte rechtlich definiert. Fehler sind auch Ulrich Wickert unterlaufen. Allerdings aus Leidenschaft, nicht aus Dummheit. Doch war Ulrich Wickert nie nur politischer Journalist. Auch Kulturthemen hatten es ihm angetan. Nach sieben Jahren „Monitor“, unterbrochen durch einige Aushilfen zu Wahlzeiten in Frankreich, dominierten sie sogar die Arbeit während seiner dreijährigen Zeit als Leiter des ARD-Studios in New York. Die sich gerade in dieser Zeit etablierende New Yorker Kunstszene wurde für ihn nachgerade zum Eldorado. Tennessee Williams, Arthur Miller, Roy Lichtenstein, Claes Oldenburg, Fritz Stern – kaum einer, den er nicht interviewte. Mit manchem traf er sich gar zum Match auf dem Tennisplatz.

Immer nahe an den Menschen

Ein Jahr vor seinem Wechsel nach New York lag Ulrich Wickert freilich noch ein anderes Angebot vor. Er hätte Chefredakteur bei Radio Bremen werden können. Zwar war der Sender in der Hansestadt eine der kleinsten Anstalten im ARD-Verbund, trotzdem hatte die Offerte einen gewissen Charme. Wickert lehnte dennoch ab. Nicht allerdings, ohne sich zuvor beim Fernsehprogrammdirektor des WDR Heinz Werner Hübner über mögliche Alternativen erkundigt zu haben. Hübner ließ ihn wissen, dass New York bald frei werde und er ihm gute Chancen einräume. Ob er das auch schriftlich haben könne, fragte Wickert. „Nein“, antwortete Hübner, „aber Sie haben mein Wort“. Als gleich wichtig für seine ablehnende Entscheidung aber beschreibt er die folgende ehrliche Selbsterkenntnis. „In Hierarchien eingebunden zu sein, war nicht meine Sache.“ Er wollte Journalist bleiben, nahe an den Menschen sein. Gründe, aus denen er schon viele Jahre früher eine Promotion und wissenschaftliche Karriere ausgeschlossen hatte.

In New York fühlte sich Ulrich Wickert wohl wie selten zuvor. Seinen Vertrag nach drei Jahren zu verlängern, wäre möglich gewesen. Doch dann kam das Angebot, Studioleiter in Paris werden zu können. Zwei Herzen schlugen in Wickerts Brust. Am Ende entschied er sich für Paris. Der Schullaufbahn seiner Tochter wegen wie aber auch aus beruflichen Gründen. Denn Paris bot ihm neben der Kultur auch die Politik. Und beides im Überfluss. Dazu war der mediale Stellenwert des Nachbarlandes unübertroffen. Und für Wickert bedeutete es eine Art Heimkehr in seine zweite Heimat. Die Zeit in Paris war eine glückliche, aber keine unendliche. Sieben Jahre später folgte er Hans Joachim Friedrichs bei den „Tagesthemen“. Mancher wäre vielleicht an dessen langem Schatten gescheitert. Ulrich Wickert nicht. Die Begründung? „Ich hatte keine ausgeklügelte Strategie, Friedrichs vergessen zu machen. Das wollte ich auch gar nicht. Wir waren schließlich befreundet. Ich blieb einfach, wie ich war.“ Wickert eben, um nicht das abgedroschene Wort authentisch benutzen zu müssen.

Erfolg durch Fleiß und Begabung

Was Ulrich Wickert sonst noch zu dem werden ließ, was er wurde, möchte ich von ihm wissen. „Neugier und das Glück, Menschen begegnet zu sein, von denen ich viel lernen konnte“, sagt er. Claus Hinrich Casdorff sei so einer gewesen. „Welcher Redaktionsleiter nimmt sich heute noch die Zeit, mit jungen Kollegen das Texten zu üben? Casdorff tat es, manchmal sogar mehrere Stunden lang.“ Dazu habe er stets nur das gemacht, was zu ihm passte. Anders formuliert, Wickert widerstand der Verlockung, Angebote anzunehmen, wo er hätte ein anderer werden, sich vielleicht sogar hätte verbiegen müssen. Wovon er nicht redet, ist sein großer Fleiß. In einem seiner selbstgewählten Projekte in Paris erklärte er den deutschen Fernsehzuschauern die Klassengesellschaft Frankreichs. Allein für das Porträt der Bourgeoisie las er mehr als zwanzig Bücher. Eine Anzahl, für die manch einer ein ganzes Leben braucht.

Das Gefühl für die Dramaturgie des Schreibens scheint indessen familiäres Erbe. Sein Vater war schließlich nicht nur Diplomat, sondern zugleich ebenfalls erfolgreicher Schriftsteller, so wie sein Bruder auch. Ulrich Wickert selbst hat inzwischen mehr als 30 Bücher veröffentlicht. Als Nachrichtenmann musste er freilich lernen, nicht 100 Seiten Platz eingeräumt zu bekommen, sondern aus 100 Zeilen 50 zu machen, ohne den Inhalt zu verkürzen, und einen komplizierten Sachverhalt vor der Kamera in nur 1 Minute 30 Sekunden erklären zu können. Als Moderator der „Tagesthemen“ erreichte er Kultstatus. Seine Aufhänger und Überleitungen setzten und setzen noch immer Maßstäbe. Ebenso wie seine Geradlinigkeit, sein Stehvermögen und sein Mut zu Zeiten, in denen er noch ein unbekannter Redakteur war. Die heftigen Diskussionen über den Radikalenerlass erfassten in den Siebzigern des letzten Jahrhunderts auch den WDR. Ein Chefredakteur quittierte Wickerts Argumente dazu mit einem bösen: „Sie sind eine Katastrophe für den WDR.“ Es kam anders. Der Name Wickert ist heute Synonym für Qualitätsjournalismus.